Kriminalität: Kickl-Darstellung und Wirklichkeit

ZAHLEN ZUM TAG. Im vergangenen Jahr gab es 24.970 Verurteilungen nach dem Strafgesetzbuch. Bei zweieinhalb Prozent waren Sexualverbrechen bestimmend.

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) will zwar nichts mit der umstrittenen Kommunikationsstrategie zu haben, die sein Ressortsprecher herausgegeben hat, eine Einordnung dazu ist aber noch nötig. Der Strategie zufolge sollten künftig verstärkt Sexualverbrechen inkl. Staatsbürgerschaft der mutmaßlichen Täter vermeldet werden. Das ist auch insofern bemerkenswert, als die Kriminalität damit völlig verzerrt dargestellt wird.

Vorweg: Es gibt die Kriminalitätsstatistik; dabei handelt es sich allerdings um eine Anzeigenstatistik und sie ist daher mit Vorsicht zu genießen. Aussagekräftiger ist wohl die Verurteilungsstatistik; sie bringt viel eher zum Ausdruck, was wirklich war.

Laut Statistik Austria gab es im vergangenen Jahr insgesamt 24.970 Verurteilungen nach dem Strafgesetzbuch. Eine Gliederung nach strafsatzbestimmender Norm zeigt: In fast der Hälfte der Fälle, 10.770 nämlich, waren Handlungen gegen fremdes Vermögen (z.B. Diebstahl) maßgebend, in gut einem Viertel (5646) gegen Leib und Leben (z.B. Körperverletzung).

Und Sexualverbrechen? Sie folgen nach strafbaren Handlungen gegen die Freiheit (z.B. gefährliche Drohung), gegen die Zuverlässigkeit von Urkunden (z.B. Urkundenfälschung), Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie strafbare Handlungen gegen Ehe und Familie (z.B. Verletzung der Unterhaltspflicht); und zwar mit 655 Verurteilungen.

Bei diesen 655 Verurteilungen wegen Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung ist wiederum dies bemerkenswert: Ein Drittel (211) entfällt auf pornographische Darstellung Minderjähriger, jeweils weniger als ein Sechstel auf sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen (100), schwerer Missbrauch von Unmündigen (98) und Vergewaltigung (90).

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