Finanzminister im Zinsglück

ZAHLEN ZUM TAG. Die Bundesschulden sind seit 2007 um die Hälfte gestiegen. Der Zinsaufwand ist jedoch zurückgegangen. Das erspart Milliardenbeträge.

In den USA ziehen die Zinsen wieder an. Sollte es auch in Europa dazu kommen, hätte der Finanzminister ein Problem: Wie schon seine Vorgänger profitiert Hartwig Löger (ÖVP) vom extrem niedrigen Niveau. Es erspart ihm Aufwendungen in Milliardenhöhe.

Eine Ahnung davon bekommt man, wenn man die Entwicklung der Finanzschulden und des Zinsaufwandes verfolgt: 2007, also zum Auftakt der großen Finanz- und Wirtschaftskrise, betrugen die Schulden 147,38 Milliarden Euro, im vergangenen Jahr handelte es sich um 211,24 Milliarden; um die Hälfte mehr also. Der Zinsaufwand ist jedoch zurückgegangen – von 6,64 auf letztlich 6,45 Milliarden Euro.

Wäre der Zinsaufwand in Relation zu den Schulden gleichgeblieben, hätten in Summe um 13 Milliarden Euro mehr dafür aufgewendet werden müssen. Allein 2017 hätte es sich um drei Milliarden Euro gehandelt. Für heuer und das kommende Jahr wird laut Datenbank der Nationalbank mit einem weiteren Rückgang des Zinsaufwandes gerechnet; die Budgetentlastung dauert also an.

Diese Darstellung ist naturgemäß nur eine Annäherung: Die Schulden setzen sich z.B. aus vielen Anleihen mit unterschiedlichen Konditionen zusammen. Zuletzt wurde erstmals sogar eine mit 100-jähriger Laufzeit begeben. Verändern sich die Zinsen, macht sich das im Gesamtaufwand erst nach und nach bemerkbar.

Was das Zinsniveau angeht, gibt es für Europa ein Riesenproblem: Grundsätzlich wäre es aufgrund der wirtschaftlichen Erhöhung zwar Zeit für eine Anhebung, das würde insbesondere aber das hochverschuldete Italien kaum aushalten – und das kann anderen europäischen Ländern nicht egal sein, zu gewichtig ist dieses Land.

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Artikel Schlagwörter : Budget, Schulden, Zinsen
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