In der Minderheit: Hundstorfers & Van der Bellens Dilemma

ANALYSE. Mitte-links kann man keine Wahl mehr gewinnen. Auch wenn man dort weniger Mitbewerber hat.

Es gibt Fragen, die würden es den Kandidaten für die Bundespräsidenten-Wahl einfach machen, sich zu positionieren: „Würden Sie Heinz-Christian Strache als Kanzler angeloben?“ Oder: „Wie stehen Sie zu einer Obergrenze für Flüchtlinge?“ Lautet die Antwort zwei Mal „ja“ spricht man eher die Wähler rechts der Mitte an, heißt sie ebenso oft „Nein“, sind es jene links der Mitte. So einfach wäre das.

Doch die Kandidaten haben zwei Probleme: Stehen sie rechts der Mitte haben sie mehrere Mitbewerber. Befinden sie sich links der Mitte, haben sie weniger Konkurrenz, aber auch weniger Wähler. Anders ausgedrückt: Eine Mehrheit können sie dort nicht gewinnen.

Einen Hinweis darauf liefern schon die Nationalratswahlergebnisse seit 2002: Rot-Grün ist sich da nie ausgegangen. Im Gegenteil: Berücksichtigt man auch noch die Stimmenanteile der Kommunisten, so ist die linke Minderheit seither nur noch größer geworden. Bei 46,6 Prozent ging’s los, 2006 gab es zwar 47,3 Prozent, 2008 wurden aber 40,5 und 2013 gar nur 40,2 Prozent daraus. Seither hat sich diese Entwicklung wohl eher noch verschärft; dafür sprechen Umfragen, vor allem aber auch die Ergebnisse bei den Landtagswahlen im vergangenen Jahr, die ganz im Zeichen der Flüchtlingsdebatte gestanden sind.

Ihre einzige Chance ist es, die Sehnsucht nach einem ausgleichenden Staatsoberhaupt zu erfüllen.

Für die Präsidentschaftskandidaten Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Alexander Van der Bellen (Grünen) hat das eine Gratwanderung zur Folge: Wenn sie vor dem ersten Wahlgang versuchen, das linke Spektrum auszuschöpfen, mögen sie es zwar in die Stichwahl schaffen; dort hat dann aber der rechte Gegenkandidat die besseren Karten. Halten sie sich dagegen von vorne herein unauffällig in der Mitte auf, laufen sie auf der einen Seite Gefahr, im Wettbewerb vollends unterzugehen, haben auf der anderen Seite aber die Möglichkeit, ihre einzige Chance zu nützen - nämlich die wohl nach wie vor vorhandene Sehnsucht viele Wähler nach einem ausgleichenden Staatsoberhaupt zu erfüllen.

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