Alterung erreicht Unis

ANALYSE. Dass es immer weniger Studierende an öffentlichen Universitäten gibt, ist nicht nur auf die Verlagerung auf Fachhochschulen und Privat-Universitäten zurückzuführen. Der Bildungsstandort Österreich muss sich auf eine sinkende Akademikerzahl gefasst machen. 

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ANALYSE. Dass es immer weniger Studierende an öffentlichen Universitäten gibt, ist nicht nur auf die Verlagerung auf Fachhochschulen und Privat-Universitäten zurückzuführen. Der Bildungsstandort Österreich muss sich auf eine sinkende Akademikerzahl gefasst machen. 

Das Bildungsministerium überrascht: Die Zahl der Studierenden an öffentlichen Universitäten ist nach extrem starken Zuwachsraten in der Vergangenheit im jüngsten Wintersemester einmal mehr gesunken. Und zwar deutlich – um 3,4 Prozent auf 268.600. Die Verlagerung auf Fachhochschulen und Privat-Universitäten ist nur eine Erklärung dafür. Die andere ist eine Warnung: Obwohl der Anteil der Jungen, die studieren gehen, weiter zunimmt, sinkt ihre Zahl neuerdings. Man könnte auch sagen: Die Alterung erreicht die Unis – Österreich muss sich – ohne Zuwanderung – darauf gefasst machen, bald immer weniger Akademiker zu haben.

An öffentlichen und privaten Unis sowie Fachhochschulen gibt es sehr viele ausländische Hörer, die allein für die Ausbildung nach Österreich kommen, nach dem Abschluss also wieder gehen. Für die nachfolgende Auswertung sind daher nur österreichische Staatsbürger berücksichtigt.

Ergebnis: Laut Statistik Austria ist die Zahl der inländischen Studierenden an den drei erwähnten Institutionen von 2003/04 von 110.649 auf 180.798 im Wintersemester 2016/17 gestiegen. Dann ist sie erstmals gesunken. Leicht zwar, aber immerhin, auf 180.598 nämlich.

Zu Beginn des Vergleichszeitraums befanden sich 81 Prozent der Studierenden an einer öffentlichen Uni, zuletzt handelte es sich nur noch um 72 Prozent. Der FH-Anteil stieg von 18 auf 24 Prozent, der Privat-Uni-Anteil von einem auf vier Prozent. Sprich: Es ist zu einer Verlagerung gekommen.

Schon die Entwicklung der Gesamtzahl der Studierenden zeigt jedoch, dass auf den Bildungsstandort Österreich bei weitem nicht nur ein Verlagerungsproblem zukommt (sofern das überhaupt eines wäre). Es handelt sich vielmehr um ein demographisches Problem: Gemessen an der Zahl der 18- bis 25-jährigen Österreicher ist der Anteil aller Studierenden seit 2003 um mehr als die Hälfte gestiegen. Von 16 auf 26 Prozent nämlich. Das war jedoch nicht genug: Seit drei, vier Jahren gibt es immer weniger Frauen und Männer dieser Altersgruppe. Bis 2007 etwa waren es immer mehr geworden, dann gab es vorübergehend keine größere Veränderung, seit 2014 etwa gibt es einen Rückgang von gut einem Prozent jährlich. Anders ausgedrückt: Waren es 2014 rund 725.000, so handelte es sich Anfang 2018 nur noch um 675.000.

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