NÖ: Straches große Testwahl

ANALYSE. Landtagswahl: Warum alles andere als deutlich mehr als 16,1 Prozent für die Freiheitlichen eine Ernüchterung darstellen würde.

Die Freiheitlichen haben bei der Nationalratswahl im vergangenen Herbst nicht überall gleich gut abgeschnitten. Im Gegenteil: Vergleicht man die Ergebnisse mit denen, die sie in den 1990er Jahren erreicht hatten, fällt ein markanter Unterschied auf: In Ballungsräumen kamen sie nicht an ihre damaligen Top-Werte heran. Beispiel Wien: 24,8 Prozent 1999 standen diesmal 21,3 Prozent gegenüber. Sprich: Ohne ländlichen Raum wären Heinz-Christian Strache und seine Mitstreiter nicht dort gelandet, wo sie gelandet sind - bei immerhin 26 Prozent nämlich. Dort lief es im Unterschied zu den Städten viel besser für sie als in den 1990er Jahren zu Jörg Haiders Zeiten.

Im Hinblick auf die Landtagswahl Ende Jänner muss man diesbezüglich Niederösterreich hervorheben: Vor zwei Jahrzehnten kam die FPÖ dort bei Nationalratswahlen auf maximal 22,5 Prozent. Anders als in Wien konnte sie dieses Ergebnis nun steigern; und zwar signifikant - auf 25,9 Prozent.

Auch wenn man die erheblichen Unterschiede zwischen Bundes- und Regionalwahlen berücksichtigt, zeigt das, dass die Rahmenbedingungen für die Freiheitlichen in einem Land wie Niederösterreich extrem günstig sind: Das Ziel, das Strache zuletzt definiert hat, ist jedenfalls zu bescheiden. "Nur" das bisher beste Landtagswahlergebnis von 16,1 Prozent (1998) zu überbieten, wäre trotz der Verdoppelung des Stimmenanteils, die damit einhergehen würde, ziemlich ernüchternd. Und zwar aus vier Gründen:

  1. Bei der Landtagswahl 2013 erreichte die FPÖ 8,2 Prozent; die Wähler von damals, die nun wieder ihre Stimme abgeben werden, sollten ihr bleiben.
  2. Die ÖVP rechnet - zumindest nach außen hin - damit, fünf bis sechs Prozentpunkte zu verlieren, also auf rund 45 Prozent zu kommen. Das deckt sich mit den veröffentlichten Umfragewerten. Wird auch dieser Urnengang von Asyl und Sicherheit überlagert, müsste vor allem die FPÖ davon profitieren, der das in die Hände spielt.
  3. Viel mehr gilt all das noch für die knapp zehn Prozentpunkte, die das Team Stronach 2013 erreicht hat, und die nun nach dessen Auflösung neu verteilt werden: Ein erheblicher Teil müsste an die FPÖ gehen.
  4. Und wenn man nun eben bedenkt, dass sich die Rahmenbedingungen für die FPÖ gegenüber den 1990er vor allem auch in Niederösterreich erheblich verbessert haben, dann "muss" sie die 16,1 Prozent des Jahres 1998 deutlich überbieten.

Alles andere wäre eine Enttäuschung für Strache und Co. Beziehungsweise ein Alarmsignal - dass nämlich die Regierungsbeteiligung auf Bundesebene den Freiheitlichen nicht gut bekommt. Wie schon in den 2000er Jahren. Mit den bekannten Folgen.

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Artikel Schlagwörter : FPÖ, Strache
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