Österreich: Geteiltes Land

ANALYSE. Der ländliche Raum fällt immer weiter gegenüber den städtischen Regionen zurück. Und das wirkt sich auch auf die politischen Verhältnisse aus.

Wieder einmal besinnt sich ein Landwirtschaftsminister auf den ländlichen Raum. Zwei Drittel der Österreicher lebten dort. Also will Andrä Rupprechter mehr für die Entwicklung tun. Wie schon der eine oder andere Ressortchef von ihm. Mit bescheidenem Erfolg jedoch: Flächenmäßig sehr große Teile der Republik sind nach wie vor mit Abwanderung konfrontiert. In Bezirken wie Gmünd und Waidhofen an der Thaya (Niederösterreich) oder Leoben und Liezen (Steiermark) wohnen heute zum Teil deutlich weniger Menschen als vor 15 Jahren. Auf der anderen Seite wachsen die Ballungsräume immer stärker. Und das hat auch politische Folgen.

Doch eines nach dem anderen. Was man zum urbanen Raum auf der einen und zum ländlichen Raum auf der anderen Seite zählt, ist natürlich Interpretationssache. dieSubstanz.at hat auf Basis der Bevölkerungszahlen von Statistik Austria eine Zuordnung nach Bezirken vorgenommen. Urban sind demnach die meisten Landeshauptstadt- und diese umgebende Bezirke. Innsbruck und Innsbruck Land zum Beispiel. Oder Linz und Linz Land. Wien natürlich auch sowie die Bundeshauptstadt umgebende Bezirke wie Korneuburg, Mödling und Baden. Oder die Vorarlberger-Rheintalbezirke (im Ausgleich zum ländlichen Bregenzerwald, der zu Bregenz gehört, nicht aber der Bezirk Bludenz). Auch nicht dabei: Eisenstadt (zu klein). Ergebnis: Im urbanen Raum lebt nicht eine Minderheit, wie Rupprechter suggeriert, sondern die Mehrheit. Und sie wird immer größer.

Konkret: Im ländlichen Raum waren vor 15 Jahren ziemlich genau vier Millionen Menschen zu Hause. Heute sind es 4,1 Millionen. Im urbanen Raum dagegen waren es bereits vor 15 Jahren mit 4,1 Millionen etwas mehr. Und heute sind es mit 4,7 Millionen noch viel mehr. Kein Wunder: Allein Wien ist um 300.000 Einwohner gewachsen. Innsbruck und Umgebung hat um 40.000 Einwohner mehr. Auch der Großraum Linz ist ähnlich stark gewachsen. Und so weiter und so fort.

Das hat, wie bereits erwähnt, auch politische Folgen: In den Städten sehen die Menschen eher Chancen. Also ziehen nicht nur Aus-, sondern auch Inländer verstärkt dorthin. Umgekehrt ist es im ländlichen Raum.

Es ist denn wohl auch kein Zufall, dass diese Teilung auch bei den Bundespräsidenten-Wahlen im vergangenen Jahr zum Ausdruck gekommen ist: In Großstädten räumte Alexander Van der Bellen ab, wo dagegen Abwanderung herrscht, schnitt auch bei der Stichwahl-Wiederholung Norbert Hofer besser ab. Dazu passt, dass laut SORA-Analyse der Ex-Grüne Van der Bellen eher von Leuten gewählt wurde, die zuversichtlich in die Zukunft blicken und der Freiheitliche Hofer eher von solchen, die pessimistisch sind. Folglich könnte man auch sagen: Politik, die versucht, auf Ängste zu setzen, verliert zunehmend an Boden. Was die Ausgangslage für die Nationalratswahl naturgemäß noch spannender macht.

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Artikel Schlagwörter : Bevölkerung, Bevölkerungsstruktur
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